zeb/- HR-Studie 2009: Exzellentes Personalmanagement verbessert Erträge mittelständischer Banken und senkt Kosten
21.10.2009
Veränderte qualitative Rahmenbedingungen erfordern umfassende Reaktionen der Banken / Personalverantwortliche sorglos trotz großer Qualitätsdefizite / Geringe Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Personalarbeit
Münster/Frankfurt 21. Oktober 2009 – Exzellentes Personalmanagement verbessert die Erträge mittelständischer Kreditinstitute, gleichzeitig werden Kosten nachhaltig gesenkt. Dies ist das wichtigste Ergebnis der zeb/-HR-Studie 2009, an der sich 401 Personalmanager und Führungskräfte aus 318 Banken in Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt haben. Die bislang größte und umfangreichste Studie zum Thema Personalmanagement in mittelständischen Kreditinstituten ergab zudem, dass akuter Nachholbedarf beim Personalmanagement in Banken besteht. So fehlt eine systematische und regelmäßige Planung, Umsetzung und Überprüfung der Personalstrategie in den meisten Instituten ebenso wie eine aktive Entwicklung und Nutzung der Mitarbeiterpotenziale. Die Konsequenzen sind gravierend: Viele Personalverantwortliche verhalten sich trotz absehbarer Qualitätsdefizite zu sorglos, auch weil die globale Finanz- und Wirtschaftskrise bisher nur geringe Auswirkungen auf die Personalarbeit in ihren Instituten hatte.
Prof. Dr. Joachim Hasebrook, Senior Manager im zeb/ und Initiator der Studie, betont: „Einerseits konnten wir in unserer Studie einen ursächlichen Zusammenhang zwischen exzellentem Personalmanagement und verbesserten Erträgen bei gleichzeitig geringeren Kosten nachweisen. Andererseits stellten wir in zahlreichen Instituten erhebliche Defizite in der Umsetzung von Personalstrategien fest. Hier besteht aus unserer Sicht noch erheblicher Nachholbedarf, denn das Potenzial ist gerade in Zeiten knapper Kassen ganz erheblich.“
Exzellentes Personalmanagement zahlt sich messbar aus: Sowohl Personalkostenquote als auch Cost-Income-Ratio und Reingewinnspanne werden durch die Qualität des Personalmanagements positiv beeinflusst. So liegt die Personalkostenquote bei hoher Personalexzellenz niedriger als bei geringer Qualität (1,2 % bzw. 1,6 % der durchschnittlichen Bilanzsumme). Vor allem aber führt geringe Personalmanagement-Qualität zu enormen Ertragsschwankungen, während hohe Qualität für konstante Werte sorgt. Über eine angemessene Entwicklung und Nutzung des Mitarbeiterpotenzials sowie eine exzellente Umsetzung von Personalprozessen sinkt die Cost-Income-Ratio um 3 % bis 4 %. Dies spricht dafür, dass exzellentes Personalmanagement nicht nur Mitarbeiterkosten spart, sondern auch die Kosteneffizienz insgesamt erhöht.
Wirtschaftliche Kenndaten werden allerdings erst durch übergreifende Qualitätskriterien wie nachhaltige Planung, Umsetzung und fortlaufende Prüfung dauerhaft verbessert: Die qualitativ Besten im Personalmanagement liegen im Wirtschaftsergebnis pro Jahr 10 % über den Schlechtesten und 5 % über dem Durchschnitt. Eine systematische und regelmäßige Planung, Umsetzung und Überprüfung der Personalstrategie findet jedoch nur bei 6 % der Kreditinstitute statt. Die aktive Entwicklung und Nutzung des Mitarbeiterpotenzials lässt sich lediglich bei 16 % der Banken feststellen und nicht mehr als 28 % gehen bei Führungsprozessen und -entwicklung planvoll und systematisch vor. Dabei sehen Personalverantwortliche ihr Handeln weit optimistischer als ihre Führungskräfte und Vorstände: Sie halten ihre Arbeit für weit systematischer und zielgerichteter als dies ihre Vorstände und Führungskräfte tun.
Die Kapazitäten-Verteilung im Personalmanagement zeigt einen der Gründe für das mäßige Abschneiden der Banken: Aktuell stehen administrative Tätigkeiten mit 45 % bis 60 % Zeitanteil im Vordergrund, während wertschöpfende Tätigkeiten nur 40 % bis 55 % erreichen. Sowohl Personalverantwortliche als auch Vorstände bzw. Führungskräfte wünschen sich eine deutliche Umverteilung, sehen für die Zukunft aber kaum Verbesserungsmöglichkeiten.
Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat oft nur geringe Auswirkungen auf die Personalarbeit in mittelständischen Kreditinstituten. Die meisten Banken reagieren mit Einstellungsstopp, geringeren Bonuszahlungen und zunehmender Altersteilzeit bzw. Vorruhestand. Antizyklisches Verhalten, z. B. verstärkte Personalentwicklung und Abwerben von Top-Mitarbeitern bei Wettbewerbern, findet kaum statt.
Demografischer Wandel und Nachwuchsprobleme sind im Mittelstand der Bankenwelt ebenfalls noch nicht angekommen: Über 80 % der Befragten glauben, dass ihr Kreditinstitut einen überdurchschnittlich attraktiven Arbeitsplatz bietet. Kaum jemand hingegen kennt oder nutzt Arbeitgeberrankings innerhalb und über Branchengrenzen hinweg. Die ohnehin zurückhaltende Personalgewinnung ist weiterhin von Sorglosigkeit geprägt, obwohl bereits heute mehr als die Hälfte der Teilnehmer meint, dass die Bewerberqualität im Vergleich zu den letzten Jahren abgenommen hat. Zwar sind über 80 % der Jobpositionen adäquat besetzt, intern ist eine geeignete Nachbesetzung aber nur zu knapp 50 % möglich.
Die zeb/-HR-Studie zeigt, dass das Thema Personalentwicklung nichts von seiner Bedeutung verloren hat. Personalverantwortliche und Führungskräfte sind sich einig, dass sowohl der Bedarf bei Personalentwicklungsthemen für Mitarbeiter als auch für Führungskräfte steigen wird. Dabei gibt es einen Fokus auf klassische Führungs- und Vertriebsthemen, während umfassende Themenstellungen wie Work-Life-Balance und Familienförderung als eher unwichtig gesehen werden. Die Aufwendungen pro Mitarbeiter schwanken erheblich, liegen aber im Schnitt um die 1.000 Euro und sind damit im Vergleich zu den Vorjahren – bis zum vielfachen Ausgabestopp infolge der Krise – deutlich gestiegen.
Weitere Antworten zur HR-Studie gibt Prof. Dr. Joachim Hasebrook in einem Interview: Video starten
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