European Banking Study (EBS) 2008: Banken mit klarem Geschäftsmodell gehören zu den Gewinnern der Krise
12.08.2009
Bankenmärkte in Deutschland und Großbritannien stark betroffen / Spanien und skandinavische Länder eher stabil / Internationale Diversifikation, Spezialisierung und gute Kapitalausstattung wesentliche Erfolgsfaktoren für Banken
Münster/Frankfurt, 12. August 2009 – Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise hinterlässt nach wie vor tiefe Spuren in der europäischen Bankenlandschaft. Von ihr betroffen sind besonders die größten nationalen Bankenmärkte wie Deutschland und Großbritannien. Relativ stabil zeigten sich dagegen die Bankenmärkte in Spanien, in den skandinavischen Ländern sowie in den meisten Staaten Mittel- und Osteuropas. Insgesamt war die Rentabilität des europäischen Bankensektors im Jahr 2008 erstmals negativ. Die Ergebnissituation wird sich in den kommenden Jahren zwar schrittweise verbessern, das Rentabilitätsniveau der Rekordjahre 2005 und 2006 wird aber mittelfristig nicht wieder erreicht. In der Krise waren Banken mit klarem Geschäftsmodell stabiler und ertragreicher. Sie zeichnen sich durch eine konsequente Positionierung im Kundengeschäft, internationale Diversifizierung sowie eine ausreichende Kapitalausstattung aus und können daher als eigentliche Gewinner der Krise gelten. Zu diesen Ergebnissen kommt die European Banking Study (EBS) 2008, die einzige umfassende und unabhängige Studie zum europäischen Bankensektor. Sie wird seit 1999 in regelmäßigen Abständen von zeb/ erstellt und inzwischen zum sechsten Mal vorgestellt. Analysiert wurden Daten von über 4.700 Kreditinstituten aus 36 Ländern West- und Osteuropas sowie detailliert die Ergebnisse der 30 führenden europäischen Großbanken.
Noch in den Jahren 2005 und 2006 erwirtschaftete die europäische Kreditwirtschaft Rentabilitäten von über 18 % – die höchsten Werte seit der Jahrtausendwende. Seitdem verringerte sich der Jahresüberschuss der Banken in Europa innerhalb von nur zwei Jahren um rund 460 Mrd. EUR. Dieser massive Ergebniseinbruch führte im Jahr 2008 erstmals zu einer insgesamt negativen Eigenkapitalrentabilität vor Steuern von -3,1 %. Auf nationaler Ebene variieren die Ergebnisse stark. Deutschland und Großbritannien gehören mit Eigenkapitalrentabilitäten von -8,3 % bzw. -14,6 % und Cost-Income-Ratios von über 90 % in 2008 zu den Schlusslichtern in Europa. Dagegen zeigen sich die Märkte, die bereits in der Vergangenheit Bankenkrisen zu bewältigen hatten, in der aktuellen Krise deutlich stabiler und krisenresistenter. So erzielen Banken aus Spanien und den skandinavischen Ländern sowie aus einigen Märkten Mittel- und Osteuropas im Durchschnitt nach wie vor Renditen von über 15 %. Für die kommenden Jahre ist zwar eine Aufhellung der Ertragssituation der europäischen Bankenmärkte zu erwarten, die Rentabilität wird sich trotzdem nur schrittweise verbessern. Das Ergebnisniveau der Jahre vor der Krise wird mittelfristig nicht wieder erreicht.
Oliver Rosenthal, Leiter Information & Research im zeb/, sagte: „Die aktuelle Krise hat besonders den deutschen Bankenmarkt schwer belastet. Wie schon in der Vergangenheit gehört Deutschland im europäischen Vergleich zu den Schlusslichtern gemessen an Rentabilität und Cost-Income-Ratio. Der Abstand zu den rentabelsten Märkten Spanien und den skandinavischen Ländern hat sich nochmals vergrößert.“
Nach den Ergebnissen der European Banking Study 2008 gehören Banken mit einer konsequenten strategischen Positionierung am Markt zu den Gewinnern. Eine Analyse der Ergebnisse von 30 europäischen Großbanken zeigt, dass die Bedeutung eines klaren Geschäftsmodells für den Erfolg eines Kreditinstituts in der Krise stetig zunimmt. So profitieren europäische Großbanken von dem Engagement in unterschiedlichen Auslandsmärkten und damit einer internationalen Diversifikation. Darüber hinaus sollten sich Kreditinstitute entweder konsequent auf das Retail- und Firmenkundengeschäft oder aber auf das Investmentbanking fokussieren. Nur ein klares Bekenntnis zu dem einen oder anderen Geschäftsfeld verspricht nach Ansicht von zeb/ nachhaltigen Erfolg. Institute, die in der Vergangenheit versucht haben, rückläufige Erträge im Kundengeschäft durch verstärkte Aktivitäten in einem Nichtkernbereich, etwa dem Investmentbanking, auszugleichen, zählen aus heutiger Sicht zu den Verlierern der Krise. Der Total-Shareholder-Return von Banken profitiert gerade in der Krise von einer angemessenen Kapitalausstattung. Strategien, wie das in der Vergangenheit von einigen Banken praktizierte Leveraging, d. h. die Rückführung der Eigenmittelanteils, waren demgegenüber mit starken Verlusten verbunden.
Dr. André Ehlerding, Partner im zeb/, sagte: „Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind durch ihre Spezialisierung auf das Kundengeschäft und ihre gute Kapitalausstattung bisher stabiler durch die Krise gekommen. Dennoch hat sich der Renditeabstand des deutschen Bankenmarktes zu anderen Ländern insgesamt vergrößert. Zurückzuführen ist dies auf nicht ausreichend werthaltige Strategien und Geschäftsmodelle. Deutsche Banken werden daher ihre Anstrengungen erhöhen müssen, wenn sie eine gute Position im europäischen Bankenmarkt erreichen wollen.“
Weitere Antworten zum Thema "European Banking Study" gibt Dr. André Ehlerding in einem Interview: Video starten
Eine Kurzfassung der European Banking Study 2008 kann kostenlos heruntergeladen werden: Download.
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