Internationale M&A-Studie: Top-Banken können auf Fusionen nicht verzichten
29.04.2010
Nur knapp die Hälfte der weltweiten Fusionen am Bankenmarkt sind erfolgreich / M&A-aktive Banken erzielen dennoch Überperformance / M&A zur Rentabilisierung geeignet - Universalbanken bei großen Transaktionen mit höchsten Erfolgsquoten
Münster/Frankfurt, 29. April 2010 - Kreditinstitute können ihre Position unter den Top-Banken weltweit nur dann langfristig halten und ausbauen, wenn sie ihr Wachstum durch regelmäßige Übernahmen und Fusionen vorantreiben. Dabei hängt der Fusionserfolg von individuellen Rahmenbedingungen wie dem Geschäftsmodell, der eigenen Größe und dem Transaktionsvolumen ab. Insbesondere Universalbanken können sich bei großen Transaktionen gut positionieren. Das Ausnutzen internationaler Marktchancen wird vom Kapitalmarkt trotz der betriebswirtschaftlichen Komplexität internationaler Strategien besonders honoriert. Die absolute Anzahl der Fusionen eines Instituts ist aber alleine noch kein Erfolgsgarant, vielmehr lassen sich als Erfolgskriterien für eine gelungene Integration eine stark ausgeprägte Top-Management-Attention und ein professionelles Integrationsmanagement ableiten. Die Beachtung dieser Erfolgsfaktoren hilft dabei, nicht den kurzfristigen Versprechungen des Kapitalmarktes zu unterliegen, sondern betriebswirtschaftlichen Erfolg in den Fokus zu rücken.
Dies sind die wichtigsten Ergebnisse der ersten internationalen M&A-Studie im Bankensektor des zeb/, welches führend in der Beratung von Unternehmen der Finanzindustrie ist. Die Studie hat Fusionen und Übernahmen von weltweit börsennotierten Banken untersucht und dabei 2.400 Transaktionen im Zeitraum von 1987 bis 2007 betrachtet. Analysiert wurden die Erfolgsquoten und die Performance-Entwicklung von Akquisiteuren bis zum Ausbruch der weltweiten Finanzkrise Ende 2007.
Lars Gehner, Partner im zeb/ und verantwortlich für die Betreuung von Großbanken sowie Koordinator der M&A-Studie, sagte: "M&A-Aktivität ist ein wesentlicher Faktor für die erfolgreiche Positionierung einer Bank - organisches Wachstum alleine ist nach unseren Erkenntnissen nicht ausreichend. Betrachtet man die Top-20-Banken nach Größe von 1987 bis 2007 sieht man, dass 15 der 20 Institute mehr als zehn Transaktionen durchgeführt haben und alle Banken zumindest einen Teil ihres Wachstums über Fusionen und Übernahmen erzielten." Insgesamt konnten sich über den Zeitraum von 1987 bis 2007 nur zwei Institute in den Top 20 halten: die Deutsche Bank und die Banco Santander aus Spanien.
Frank zur Nieden, Leiter des Competence Teams Fusions- und Integrationsmanagement bei zeb/ und fachlich verantwortlich für die Studie, sagte: "Die Erfolgsquoten zeigen, dass M&A-Transaktionen aus betriebswirtschaftlicher Sicht eine Herausforderung für die Banken darstellen. Denn nur 42-43% der Transaktionen sind aus dieser Perspektive erfolgreich. Die Einschätzung des Kapitalmarkts ist deutlich positiver; immerhin knapp 50% der Transaktionen werden als erfolgreich eingestuft."
Diese Zahlen bieten jedoch nur einen der beiden relevanten Betrachtungswinkel und suggerieren, dass eher ein Verzicht auf M&A der richtige Weg wäre. Beim Blick auf die mittlere Performance sämtlicher Transaktionen kehrt sich das Bild um: Im Schnitt aller akquirierenden Institute wird beim Total Shareholder Return (+5%) und beim Return on Equity (+3,7%) eine deutliche Überperformance im Vergleich zum Markt erzielt. Diese erzielte Überperformance zeigt zweierlei:
- M&A-Aktivität ist attraktiv und notwendig, um sich als Bank erfolgreich am Markt zu positionieren.
- Die Banken, die bei Integrationen erfolgreich sind, können ihre Börsenbewertung und Rentabilität überproportional verbessern, wenn sie die Erfolgsfaktoren einer Integration berücksichtigen.
Jens-Uwe Holthaus, Senior Manager und Leiter zahlreicher Integrationsprojekte des zeb/ sagte: "Zwei Erfolgsfaktoren führen nach unseren Erkenntnissen zu einer erfolgreichen Integration. Einerseits sollte die Integration des Kaufobjekts unter höchster Aufmerksamkeit des Vorstandes stattfinden. So ist sichergestellt, dass bei eventuellen Fehlentwicklungen zeitnah und effektiv gegengesteuert wird." Diese Top-Management-Attention für M&A-Projekte sei üblich bei Banken mit geringerer Anzahl von Transaktionen. Holthaus betonte: "Die Top-Management-Attention lässt bei steigender Anzahl von Integrationen typischerweise nach, weil die Kapazitäten des Vorstandes für die Vielzahl von Projekten nicht mehr ausreichen." Doch auch unter diesen Rahmenbedingungen könne eine hohe Erfolgsquote bei Integrationen erzielt werden. Voraussetzung sei ein professionalisiertes und standardisiertes Integrationsmanagement mit klaren Prozessen und Zuständigkeiten. Abschließend sagte Holthaus: "Der notwendige Grad an Professionalisierung wird aber unseren Erkenntnissen nach häufig erst bei einer großen Anzahl von Transaktionen erzielt."
zeb/rolfes.schierenbeck.associates ist eine auf den Finanzdienstleistungssektor spezialisierte Management- und IT-Beratung, die in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Polen, Tschechien, der Ukraine sowie Ungarn zwölf Standorte unterhält. Mit über 650 Mitarbeitern und mehreren Tochterunternehmen zählt zeb/ zu den führenden Beratungsgesellschaften für Banken, Versicherungen und sonstige Finanzdienstleister.
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